Zusammenfassung Philosophie des Geistes (c) 2001-08-28 F.M.Suchanek http://suchanek.name/texts/summaries/pom.txt Die Philosophie des Geistes (Philosophy of Mind, POM) beschaeftigt sich mit der Frage nach der Natur des Mentalen. Dieses ist die Zusammenfassung des Kurses "Philosophy of Mind" an der Universitaet Osnabrueck im Sommersemester 2001, gehalten von Dr. Achim Stephan. Dieser Text beruht groesstenteils auf dem empfohlenen Buch "Analytische Einfuehrung in die Philosophie des Geistes" von Ansgar Beckermann. Durch das Weiterlesen akzeptiert der Leser, dass der Autor keinerlei Verantwortung fuer die Richtigkeit oder Vollstaendigkeit dieser Zusammenfassung uebernimmt. Wenn jemand einen Fehler gefunden hat, so waere ich fuer eine Mail dankbar. Nur so habe auch ich etwas von der Veroeffentlichung dieser Zusammenfassung. Meine E-Mail-Adresse ist f.m.suchanek@zweb.de, wobei das 'z' aus der Adresse geloescht werden muss. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Einfuehrung ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Betroffene Teilgebiete der Philosophie: * Ontologie: Lehre vom Sein, von den Entitaeten * Epistemologie: Lehre von der Erkenntnis * Semantik: Lehre von der Bedeutung sprachlicher Ausdruecke * Methodologie: Lehre von der Herangehensweise, Methodik Fachbegriffe: Entitaet: "Seiendes", Sammelbegriff fuer alles Koerperliche, Mentale, alle Zustaende, alle Strukturen aus solchen. Privilegierter Zugang: unnachahmlich direkter Zugang zu den eigenen Empfindungen Praedikat: Sprachliche Beschreibung einer Eigenschaft Intentional: sich auf etwas beziehend, semantischen Inhalt habend (being about something) Quale: (Pl: Qualia, adj: qualitativ) Das "Sich-Anfuehlen" einer Empfindung Das Mentale: ... besteht landlaeufiger Meinung nach aus dem "Geist" (der Ratio) und der "Seele" (den Gefuehlen). Das Mentale laesst sich aufgliedern in * Intentionales: alles Mentale, was etwas anderes zum Inhalt hat (z.B. "Angst haben vor...", "sich freuen ueber.."), charakterisiert durch Art (z.B. "Freude") und Inhalt (z.B. "ueber...") * Empfindungen: alles Mentale, was einen qualitativen Charakter hat Moegliche Merkmale des Mentalen: * Bewusstheit (jedoch: ist alles Mentale bewusst?) * Unkorrigierbarkeit (jedoch: kann man sich nicht taeuschen?) * Intentionalitaet (jedoch: nicht alle Gefuehle haben einen Inhalt) * Nicht-Raeumlichkeit (jedoch: vieles ist nicht-raeumlich) * Privatheit (jedoch: gilt dies fuer alles Mentale?) ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Substanzdualismus ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Vertreter: Platon, Sokrates, Descartes These: Der Mensch besteht aus Koerper und Seele. Letztere ist unsterblich und macht das eigentliche Selbst des Menschen aus. Problem: Das Mentale beeinflusst den Koerper (Wuensche z.B.) und der Koerper beeinflusst das Mentale (z.B. bei Schmerz). Wie interagieren nicht-physischer Geist und physischer Koerper? Loesungsansaetze: Interaktionismus: (Descartes) Der Geist sitzt in der Zirbeldruese des menschlichen Gehirns und aktiviert die gewuenschten Nerven. Problem: Die Physik ist kausal abgeschlossen, jedes physische Ereignis hat eine physische Ursache. Parallelismus: (Leibniz) Koerper und Geist laufen wie zwei gestellte Uhren stets parallel. Problem: Die Selbstbestimmung des Menschen waere aufgehoben. Starke theologische Praemissen werden benoetigt. Okkasionalismus: (Malebranche) Jedesmal, wenn Interaktion zwischen Koerper und Geist notwendig ist, greift Gott ein und stellt den entsprechenden Zustand her. Problem: Starke theologische Praemissen werden benoetigt. (Siehe dazu: De Deo (c) 2000 F.M.Suchanek :-) Epiphaenomenalismus: (Huxley) Bewusstsein ist ein Begleitphaenomen und wird durch den Koerper lediglich "am Rande" hervorgerufen. Problem: Liefe dann die Welt denselben Lauf, wenn niemand Bewusstsein haette? Eigenschaftsdualismus: Verwandte These, nach der mentale Eigenschaften nicht auf physische zurueckfuehrbar sind. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Semantischer Physikalismus ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Vertreter: Carnap These: Mentale Eigenschaften sind auf physische zurueckfuehrbar, jedes psychologische Praedikat laesst sich physikalisch definieren. Insbesondere ist mentale Sprache keine Privatsprache. Privatsprache: (Wittgenstein) Eine Privatsprache ist eine Sprache, die niemand anders lernen _kann_. Mentale Ausdruecke koennten eventuell eine Privatsprache sein. Wittgenstein hingegen argumentiert, dass es gar keine Privatsprachen geben kann: Fuer ihn heisst naemlich "Bedeutung haben" dasselbe wie "Regeln fuer den korrekten Gebrauch haben". Die Regeln aber muessen allgemein zugaenglich sein, da sie sonst nicht ueberpruefbar waeren. Eine Privatsprache aber koennte keine oeffentlichen Regeln haben, sodass niemand (der Besitzer eingeschlossen) die Korrektheit einer Aussage verifizieren koennte. Damit aber haben die Woerter einer Privatsprache keine Bedeutung. Empfindungswoerter koennen daher keine Privatsprache sein, sie bezeichnen nicht private Zustaende. Probleme des semantischen Physikalismus: * Es ist unmoeglich, mentale Ausdruecke zirkelfrei in physikalischer Sprache zu definieren, da es sich um Cluster-Begriffe handelt * Qualia werden nicht erfasst * Andere sind besser ueber meine mentalen Zustaende informiert als ich selbst Cluster-Begriff: Ein Clusterbegriff ist ein Praedikat, dessen Zutreffen von einer Reihe anderer Eigenschaften bestimmt wird. Keine dieser anderen Eigenschaften ist jedoch hinreichend und keine dieser Eigenschaften ist notwendig. Damit entzieht sich der Begriff der traditionellen Definition. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Logischer Behaviorismus ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Vertreter: Ryle These: Der logische Behaviorismus ist eine Unterart des semantischen Physikalismus, nach der mentale Zustaende Verhaltensdispositionen sind. Mentale Zustaende sind eine andere Charakterisierung von beobachtbaren Handlungen, sie sind die Art und Weise der Organisation von Handlungen. Keinesfalls bezeichnen Empfindungswoerter mysterioese private Vorgaenge. Disposition: "Veranlagung" einer Entitaet, sich unter bestimmten Bedingungen auf eine bestimmte Weise zu verhalten. Beispiel: "wasserloeslich" ist eine Disposition, die bedeutet, dass sich der bezeichnete Gegenstand aufloesen wird, wenn man ihn in Wasser gibt. Kritik an der offiziellen Lehre: Nach Ryle geht die "offizielle Lehre" von einem Koerper und einem ontologisch gleichwertigen Geist aus. Dabei begeht man jedoch einen gravierenden Kategorienfehler, sodass die offizielle Lehre schlichtweg aufgegeben werden muss. Kategorienfehler: Einen Kategorienfehler begeht, wer einen Ausdruck so benutzt, als gehoere er zu einer anderen Kategorie. Zwei Ausdruecke gehoeren genau dann zur selben Kategorie, wenn man den einen durch den anderen ersetzen kann, ohne dass Unsinn entsteht. Beispiele fuer Kategorienfehler: * Die Verfassung eines Landes fuer ein schattenhaftes Wesen halten, das ebenso existiert, wie das Parlament * Auf dem Fussballplatz neben den Aktionen der Spieler auch den Mannschaftsgeist sehen wollen. * Den durchschnittlichen Steuerzahler fuer eine Person halten. Probleme: s. Semantischer Physikalismus ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Identitaetstheorie ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Vertreter: Place, Smart Ullin T. Place: Is consciousness a brain process? (1956) Die These Bewusstsein=Gehirnprozess ist nicht logisch unmoeglich. Unterscheidung bei der Benutzung von "ist": "A ist B" kann entweder eine vollstaendige Beschreibung von A durch B sein oder aber aussagen, dass A die Eigenschaft B hat. Sind zwei Begriffe logisch unabhaengig, so sind oft die bezeichneten Entitaeten auch unabhaengig. Systematische Korrelation ist kein Beweis fuer Gleichheit. Zwei Reihen von Beobachtungen gelten als die Beobachtung desselben Ereignisses, wenn die wissenschaftlichen Beobachtungen eine Erklaerung fuer die gewoehnlichen Beobachtungen liefern kann. Beschreibt jemand seine (Sinnes-)Eindruecke, so ging man bisher davon aus, dass er die Eigenschaften der internen Repraesentation externer Objekte beschreibt. Die innere Repraesentation ("phaenomenales Feld") hat man sich als eine Art Fernsehbild vorzustellen. Place nennt diese Theorie den "phaenomenologischen Irrtum": Wenn wir Eigenschaften von Objekten oder inneren Vorgaengen beschreiben, vergleichen wir lediglich mit den Eindruecken von anderen Objekten. Man ging davon aus, dass wir Objekte anhand ihrer Eigenschaften definieren. Place argumentiert, wir wuerden in Wirklichkeit Eigenschaften durch Objekte (Prototypen) definieren. J.J.C. Smart: Sensations and Brain Processes Smart wiederlegt 8 moegliche Einwaende gegen die Identitaetstheorie: Ob jemand etwas ueber A weiss und nicht ueber B hat ueberhaupt keinen Einfluss darauf, ob A und B identisch sein koennen (s. Leibniz' Gesetz). Smart gesteht zu, dass die geltenden physikalischen Theorien nur kontingente Korrelationen beschreiben koennten. Nach Smart muss es keine irreduzibel psychischen Eigenschaften geben. Es ist moeglich, dass sich unser Sprachgebrauch so wandelt, dass diejenigen Eigenschaften, die wir einem Gehirnzustand zuschreiben, aufgrund der Identitaet auch einem mentalen Zustand zugeschrieben werden koennen. These: Mentale Ausdruecke und physikalische Ausdruecke sind zwar nicht synonym, jedoch haben sie denselben Bezug: Mentales ist identisch mit Physischem. (s.a "Philosophy -- A Coder's Contribution", Abschnitt "Sense and Reference" (c) 2001 F.M.Suchanek :-) Theorienreduktion: Eine Theorie T1 ist auf eine Theorie T2 reduzierbar, wenn jedes Gesetz aus T1 ein analoges Gesetz in T2 hat, wenn man die Begriffe aus T1 durch entsprechende Begriffe aus T2 ersetzt. Eigenschaftsidentitaet: Zwei Eigenschaften sind genau dann identisch, wenn sie dieselbe kausale Rolle haben. Heute ist man jedoch der Ansicht, dass Identitaet eine nicht weiter analysierbare Relation ist. Notwendige Bedingung fuer Identitaet ist aber Koextensionalitaet: Beide Begriffe muessen auf dieselben Entitaeten zutreffen. Leibniz' Gesetz: Zwei Dinge sind genau dann identisch, wenn sie alle Eigenschaften teilen. Leibniz' Gesetz gilt nicht in "intensionalen Kontexten", d.h. wenn es darum geht, ob jemand etwas ueber eine Eigenschaft weiss. Argumentation fuer die Identitaetstheorie: Mentale und physische Ereignisse beeinflussen einander. Die Physik ist kausal abgeschlossen, jedes physische Ereignis hat eine physische Ursache. Die Identifikation des Mentalen mit dem Physischen loest diesen Widerspruch. Probleme der Identitaetstheorie: Explanatoroische Luecke: Wie koennen Qualia physikalistisch erklaert werden? (Levine) Objektivitaet und Subjektivitaet: Wie koennen subjektive Qualia durch objektive Physik beschrieben werden? Multirealisierbarkeit: Dasselbe mentale Ereignis kann unterschiedlich physikalisch realisiert sein, z.B. in verschiedenen Tierarten, in verschiedenen Personen oder auch in ein und derselben Person (Speziesismus-Problem). Somit kann ein mentaler Zustand nicht identisch mit einem speziellen physischen Zustand sein. Notwendigkeit der Identitaet: Nach Kripke muessen zwei starre Bezeichner, wenn sie dasselbe bezeichnen, auch notwendigerweise, d.h. in allen moeglichen Welten, dasselbe bezeichnen. Nun sind aber Welten vorstellbar, in denen Schmerz und Gehirnszustand nicht dasselbe bezeichnen. Daher kann keine Identitaet vorliegen. Speziesismus: Ungerechtfertigte Beschraenkung einer Eigenschaft auf bestimmte Tierarten, Spezies oder Menschen, allgemein: Systeme. Saul Kripke: Identity and Necessity Kripke unterscheidet zwischen starren Bezeichnern ("rigid designators"), die in allen moeglichen Welten dasselbe bezeichnen, und nicht-starren Bezeichnern, die nur kontingententerweise auf eine Entitaet zutreffen. Eine Identitaetsaussage zwischen starren Bezeichnern muss notwendigerweise wahr sein ,denn die starren Bezeichner bezeichnen ja in allen moeglichen Welten dasselbe. Schmerz und Gehirnzustand sind starre Bezeichner, sie bezeichnen in allen moeglichen Welten jeweils dasselbe. Es sind nun Welten vorstellbar, in denen Schmerzen keine Gehirnzustaende sind. Damit ist die Identitaetsaussage nicht mehr notwendig wahr und damit ueberhaupt nicht wahr. Die Analogie von Waerme und Molekularbewegung schlaegt fehl: Zwar koennen wir uns Waerme ohne Molekularbewegung vorstellen, doch dann verwechseln wir in Wirklichkeit Waerme mit Waermemempfindung. Waerme selbst ist mit Molekularbewegung notwendigerweise identisch. Bei "Schmerz" hingegen ist keine solche Verwechselung moeglich, Schmerz ist immer dasselbe wie Schmerzempfindung. Gegenargumentation zu Kripke (c) 2001 F.M.Suchanek: Vorstellbarkeit sagt nichts ueber die Realitaet aus. Ob ich mir zwei Entitaeten getrennt vorstellen kann oder nicht, haengt von meinem Wissen ueber diese Entitaeten ab. Ein Unwissender mag sich z.B. Photonenstrahlen getrennt von Strahlung vorstellen koennen, obwohl sie identisch sind. Hier ist Kripke der Unwissende. Im Uebrigen kann Identitaet auch kontingent sein: Fliegt ein Astronaut zum Mond, so handelt es sich um zwei starr beschreibbare Bewegungen, eine zum Mond hin und eine von der Erde weg. Und obwohl beide Bewegungen auch getrennt vorkommen koennen, spricht man gemeinhin in diesem Fall von ein- und derselben Bewegung. Christopher S. Hill: Das Leib-Seele-Problem Hill greift Nagels Theorie der 3 Vorstellungsarten auf. Schmerz und Gehirnzustand werden unterschiedlich vorgestellt, daher ist es moeglich, sie sich getrennt vorzustellen. Beide Vorstellungsarten rufen unterschiedliche Erfahrungen hervor, in der Vorstellung von "Gehirnzustand" z.B. fehlt das Quale. Das ist jedoch nichts Unnatuerliches (in der Vorstellung von Sandpapier fehlt auch das Sichanfuehlen) und sagt nichts ueber die Identitaet aus. Die Begriffe Schmerz und Gehirnzustand dienen der Klassifikation in unterschiedlichen Gebieten und koennen auf dasselbe verweisen, ohne eine Eigenschaft gemeinsam haben zu muessen. Mentale Erlebnisse und neurowissenschftliche Beschreibungen sind nicht aprioriorisch verknuepft. Hill haelt die mentale Funktion, die zu zwei Begriffen eine Moeglichkeitsintuition liefert ("Sind Schmerz und Gehirnzustand getrennt vorstellbar?" --> Ja/Nein) fuer unzuverlaessig. Dies zeige sich darin, dass sich Waerme und Molekularbewegung getrennt vorstellen lassen, obwohl sie identisch sind. Somit ist die Vorstellbarkeit der Getrenntheit von Schmerz und Gehirnzustand irrelevant. Schmerz und Gehirnzustand sind aposteriorisch identisch, da mit beiden Begriffen unterschiedliche Erfahrungen einhergehen (introspektiv/ sensorisch), sodass eine Apriori-Identitaet auf natuerliche Weise ausgeschlossen wird. Gegenargumentation zu Hill (c) 2001 F..M.Suchanek Kripke hatte argumentiert, wir verwechselten Waermeempfindung mit Waerme, wenn wir versuchen, uns Waerme und Molekularbewegung getrennt vorzustellen. Waermeempfindung und Molekularbewegung lassen sich natuerlich getrennt vorstellen -- es sind ja zwei verschiedene Dinge. Waerme selbst und Molekularbewegung lassen sich aber nicht getrennt vorstellen. Damit bleibt die menschliche Moeglichkeitsintuitionsfunktion zuverlaessig. Hill uebergeht dieses Argument von Kripke voellig. David Papineau: Mind the gap 3 Argumentationen fuer die Identitaetstheorie: 1. Intuitionsargument (Bloedsinn) 2. Realisierungsargument: Mentale Begriffe sind apriori mit einer Rollenbeschreibung verknuepft. Die physischen Zustaende erfuellen genau diese Rollenbeschreibung, daher ist physischer und mentaler Zustand dasselbe. (Problem: Es gibt keine solche apriori-Verknuepfung) 3. Kausalitaetsargument (einzig ueberzeugend): 1. Mentale Zustaende haben Wirkungen auf die Physis 2. Alle physischen Wirkungen haben physische Ursachen 3. Physische Wirkungen bewusster Ursachen sind nicht immer ueberdeterminert 4. Daher muss ein mentaler Zustand ein physischer sein Redefinition: Auch der Umweg ueber eine Rolleneigenschaft zaehlt als Ursache (Verbeugung gen Funktionalismus und Multirealisierbarkeit). Mentale Eigenschaften muessen aposteriori mit physisch realisierten Rolleneigenschaften identisch sein. Sind Schmerz und Gehirnzustand identisch, so macht die Frage keinen Sinn, warum das eine das andere hervorbringt. Identitaet muss sich nicht rechtfertigen, sie besteht einfach. Anhaltspunkt fuer die Identitaet kann sein, dass beide Dinge immer an derselben Stelle in der kausalen Ordnung der Dinge erscheinen. Papineau leugnet nicht Qualia. Bei Wasser=H2O muss man in der Lage sein, zu erklaeren, warum H2O die Eigenschaften erfuellt, die apriori mit Wasser verknuepft sind. Mit mentalen Zustaenden sind jedoch apriori keine Eigenschaften verknuepft. Phaenomenale Begriffe referieren durch Simulation. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Funktionalismus ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Vertreter: Putnam Hilary Putnam: Die Natur mentaler Zustaende Unterscheidung zwischen Begriffen ("Schmerz", "Gehirnzustand"), d.h. Sinn, und Referenz von Begriffen. "Schmerz" kann identisch mit etwas sein. Vorschlag: Identifikation mit funktionalem Zustand in Analogie zum probabilistischen Automaten. Der Funktionalismus ist mit dem Dualismus kompatibel. Menschen identifizieren mentale Zustaende mit Hilfe ihrer funktionalen Rolle. Problem der Identitaetstheorie ist die mangelnde Multirealisierbarkeit. Problem der Theorie, dass mentale Zustaende Verhaltensdispositionen sind, ist, dass immer nur Aussagen der Form "X fuehlt A heisst: X verhaelt sich so, als ob X A fuehle" gemacht werden koennen. Ausserdem geht ein mentaler Zustand nicht immer mit dem entsprechenden Verhalten einher. Halten sich zwei Theorien von den Argumenten her die Waage, so kann man mit Plausibilitaetserwaegungen entscheiden. These: Mentale Zustaende sind funktionaler Natuer, d.h. allein durch ihre kausale Rolle gekennzeichnet. Dies entspricht der Idee eines endlichen probabilistischen Automaten. Erweiterte These: Da die Grundaussage ontologisch leer ist und somit nichts ueber die Art mentaler Zustaende gesagt wird, nimmt man zusaetzlich an, dass alle mentalen Zustaende physisch realisiert sind. Vorteile des Funktionalismus: * Ontologisch neutrale Analyse des Mentalen * In seiner Reinform kompatibel mit dem Dualismus * Mit der Multirealisierbarkeit vereinbar * Liefert mit Zusatzthese physikalistische Erklaerung fuer das Mentale Probleme des Funktionalismus: * Es existieren zum Menschen funktional aequivalente Systeme, denen wir aber keine mentalen Zustaende zuschreiben wuerden (Blocks Chinakopf) * Vertauschte Qualia werden nicht durch kausale Rollen erfasst. Qualia sind fuer den Funktionalisten sogar belanglos Gegenargument: Sind Qualia ueberhaupt relevant? Sind sie ueberhaupt ueberpruefbar? * Der Funktionalismus gesteht die Moeglichkeit von Zombies zu, d.h. menschenaehnliche Systeme ohne Qualia Gegenargument: Stimmen Koerper und Denken ueberein, so kann der Zombie selbst nicht wissen, ob er ein Zombie ist. Ebenso koennten auch wir Zombies sein. * Wo fangen Input und Output an? Jegliche Schnittstellenbeschreibung fuehrt zum Speziesismus. * Nach dem Funktionalismus muesste fuer alle Wesen dieselbe psychologische Theorie gelten. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Anomaler Monismus ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Vertreter: Davidson These 1. Es gibt keine strikten psychophysischen Gesetze (Anomalie des Mentalen) 2. Jedes einzelne physikalische Ereignis ist identisch mit einem einzelnen physischen Ereignis (Monismus) Analogie: Fodor hat ausgefuehrt, dass jedes "Bezahlen" mit einem physischen Ereignis identisch ist. Jedoch gibt es keinen allgemeinen physischen Vorgang des Bezahlens, es kann sich um Geldgeben handeln, um Scheckunterschreiben oder um Ueberweisen. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Supervenienzttheorie ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Vertreter: Kim These: Mentale Eigenschaften sind genau dann auf physische zurueckfuehrbar, wenn die menatlen Eigenschaften stark ueber den physischen supervenieren. Supervenienz: Die Eigenschaftsfamilie B superveniert ueber der Eigenschaftsfamilie A, wenn gilt: Sobald B bei zwei Entitaeten verschieden ist, ist auch A bei diesen Entitaeten verschieden. Oder andersrum: Sobald A bei beiden Entitaeten gleich ist muss auch B gleich sein. Z.B. superveniert die Jahreszeit ueber dem Monat: Sobald die Jahreszeit verschieden ist, muss auch der Monat verschieden sein. Verschiedene Supervenienzbegriffe: * "schwache" Supervenienz gilt nur in unserer Welt * "starke " Supervenienz gilt in allen moeglichen Welten * "globale" Supervenienz von B ueber A gilt in allen Welten, in denen A gleich verteilt ist Die starke Supervenienz scheint die hier einzig angebrachte zu sein. Problem der Supervenienztheorie: Es gibt keine Asymmetrie, d.h. die physischen Eigenschaften koennten genauso gut ueber den mentalen supervenieren. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Emergenztheorie ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ These: Mentale Eigenschaften sind emergent. Emergenz: Eine Eigenschaft einer Entitaet ist emergent, wenn sie nicht aus dem Wissen um die Eigenschaften der Einzelteile und der Komposition vorherbestimmt werden kann. Reduktion: Eine Eigenschaft ist reduktive erklaerbar, wenn sie aus aus dem Wissen um die Eigenschaften der Einzelteile und der Komposition sehr wohl vorherbestimmt werden kann. Emergenz in der Realitaet: Sobald man emergente Eigenschaften zulaesst, unterwandert man die Vollstaendigkeit der Physik. Es existieren keinerlei bekannte emergente Eigenschaften. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Realisierungstheorie ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ These: Alle mentalen Eigenschaften sind physisch realisiert (umgesetzt). Unterscheidung zur Identitaetstheorie: Oft wird Identitaet mit Realisierung verwechselt. Realisierung ist jedoch die schwaechere Annahme. Viele Philosophen meinen eigentlich "Realisierung", wenn sie von "Identitaet" sprechen. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Eliminativer Materialismus ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Vertreter: Paul & Patricia Churchland These: Es gibt nichts Mentales. Die Alltagspsychologie wird als voellig falsche Theorie von einer neurowissenschaftlichen Theorie abgeloest werden. Schwaechen der Alltagspsychologie: * Sie kann nicht alle mentalen Phaenomene erklaeren * Sie ist in den letzten 2500 Jahren keinen Schritt voran gekommen * Sie ist mit der Physik unvereinbar Mentale Begriffe: Churchland zufolge gibt es Mentales wie "Denken" und "Wuenschen" ebensowenig, wie es "Hexen" oder einen "Waermestoff" gibt. Es handelt sich um Begriffe veralteter Theorien, die in den verbesserten neuen Theorien keine Entsprechung mehr haben werden. Die Alltagspsychologie wird sich nicht auf die Neurobiologie reduzieren lassen, sondern die Alltagspsychologie muss radikal aufgegeben werden. Probleme: Einige. Saemtliche alltaeglichen mentalen Ausdruecke wuerden bedeutungslos ("Ich moechte gerne, dass...", "Ich beabsichtige...",...). Im Rechtswesen verschwindet der Unterschied zwischen "Mord" und "Toetung", zwischen "Luege" und "Falschaussage", da Absichten und Motive nicht mehr existieren. Etwas zu sagen, hat auf einmal weder Sinn noch mentalen Effekt. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Bewusstsein ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Cartesisches Theater: Nach Ryle die landlaeufige These, Bewusstsein sei ein Theater mit dem Geist als einzigem Zuschauer. Heutige Auffassung vom Mentalen: Das geistige Leben einer Person zeichnet sich durch mentale Eigenschaften aus. Bewusstsein sind intentionale (mentale) Zustaende, die sich auf die eigenen mentalen Zustaende beziehen. Joseph Levine: The explanatory gap I & II Kripkes Argument ist rein epistemisch, nicht metaphysisch aussagekraeftig. Kripkes Argument kann auch gegen den Funktionalismus verwandt werden. Jegliche physikalistische Erklaerung von Schmerz wuerde Qualia auslassen. Qualia sind aber ein wesentlicher Bestandteil von Schmerz. So entsteht die "explanatorische Luecke". Das Quale von Schmerz waere ein factum brutum. Facta bruta sind nur in den elementarsten Bereichen der Physik akzeptabel. Die meisten philosophischen Problemstellungen in Bezug auf mentale Zustaende (Jacksons Mary, Blocks China-Kopf, Zombie-These) beruhen auf der Unerklaerlichkeit des Zusammenhangs von Physis und Qualia. Nach Levine koennen wir ausschliessen, dass wir Zombies sind, da wir "phaenomelnal konstituierte Gedanken" haben, d.h. Gedanken, die ein Quale beinhalten koennen. Zombies koennen das nicht. Nach Levine gibt es keine physikalistische Erklaerung fuer den besonderen Bezug zwischen Quale und dem phaenomenal konstituierten Gedanken. Levine ist der Auffassung, dass wir die explanatorische Luecke gar nicht schliessen koennen, da wir jegliche psychophysische Aussagen gar nicht ueberpruefen koennen. (Allerdings genuegte dazu eigentlich ja schon eine Korrelation von Physis und Psyche) Thomas Nagel: What is it like to be a bat? Nagel unterscheidet 3 Arten der Vorstellung: Perzeptuelle (sich vorstellen, etwas wahrzunehmen), sympathetische (sich in einen mentalen Zustand hineinversetzen) und die symbolische. Nagel merkt an, dass wir gar nicht herausfinden koennen, wie es sich fuer eine Fledermaus anfuehlt, zu echoloten. Jacksons Knowledge-Argument: Mary, eine Naturwissenschaftlerin, die alles Neurobiologische ueber das Farbensehen weiss, selbst aber in einer Schwarz-Weiss-Umgebung lebt, sieht zum ersten Mal eine rote Tomate. Sie lernt etwas Neues (naemlich, wie es fuer sie ist, eine Tomate zu sehen), was sie nicht aus dem neurowissenschaftlichen Wissen erschliessen konnte. Daher kann nicht alles physikalistisch erfasst werden. Moegliche Kritiken zu Jackson: * Mary lernt keine neue Tatsache, sondern eine neue Faehigkeit * Mary lernt keine neue Tatsache, sondern nur einen neuen Zugang * Mary lernt zwar eine neue feinkoernige Tatsache, doch das widerspricht nicht dem Physikalismus Zwei Tatsachenbegriffe: Wittgenstein: Stehen dieselben Gegenstaende in derselben Relation, so handelt es sich um dieselbe Tatsache. (Grobkoernige Tatsache) Frege: Haben in "F(a)" und "G(b)" a und b denselben Sinn und auch F und G denselben Sinn, so handelt es sich um dieselbe Tatsache. Tatsachen sind wahre Gedanken. (Feinkoernige Tatsache) (Die Definition vermischt allerdings Sachverhalt und Gegebensein) Switch-Argument: Angenommen man versieht bei einem Zombie (d.h. bei einem dem Menschen nachempfundenen Wesen ohne Qualia) alle mentalen Ereignisse nach und nach mit Qualia. Er wuerde es nicht merken, denn er hat ja auch vorher gedacht, er haette Qualia. Macht es also gar keinen Unterschied, ob es Qualia gibt? Physikalistische Positionen zu Qualia: Eliminativistisch: Es gibt gar keine Qualia. Repraesentationalistisch: Phaenomenale Zustaende sind eine Unterart von sensorischen repraesentationalen Zustaenden, deren Inhalt das Quale ist.